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Naturschutz

08. Juni 2010
Pressemitteilung der BioEnergie Südpfalz GmbH & Co. Kg

Die Geschäftsführung der BioEnergie Südpfalz GmbH nimmt mit dieser Pressemitteilung Stellung zu dem Rheinpfalzartikel vom 02.06.2010 („Grün für Biogasanlage gefährdet Brutvögel“) sowie zu den entsprechenden Leserbriefen in der Rheinpfalz.

 Im Zusammenhang mit der letzten Grünroggenernte wurden im Rahmen des oben genannten Artikels verschiedene Vorwürfe (Gefährdung von Brutvögeln, Transport und Lärmbelästigung am Wochenende, großflächige Erntemaßnahmen) gegen unsere Gesellschaft gemacht, auf welche wir hiermit inhaltlich eingehen möchten.

 Zunächst möchten wir festhalten, dass wir uns als  Unternehmen aus dem Bereich der regenerativen Energien  selbstverständlich mit den ökologischen Faktoren unseres Handelns auseinandersetzten und in diesem Bereich auch die Diskussion und den Austausch mit den entsprechenden Fachverbänden aus dem Naturschutzbereich  suchen. In diesem Zusammenhang haben auch im April Vertreter des NABU die Biogasanlage in Lustadt besucht und sich über Technik und Anbau von Biomasse informiert. Im Rahmen dieses Treffens wurde u.a. festgestellt, dass nachwachsende Rohstoffe einen entscheidenden Beitrag für eine klima- und umweltverträgliche Energiepolitik leisten können und müssen.

Bei dem Grünroggen, welcher in den letzten Wochen geerntet wurde, handelt es sich um ein Wintergetreide, das vor der Kornreife im Mai geerntet wird.

Der Anbau von Grünroggen wurde seit jeher von viehhaltenden Betrieben zur Fütterung der Kühe genutzt und ist unter ökologischen Aspekten vorteilhaft. Die Nährstoffaufnahme vor der Winterruhe sowie die frühe einsetzende und hohe Nährstoffaufnahme zu Vegetationsbeginn wirken der Nährstoffauswaschung entgegen. Die Bodenbedeckung vermindert darüber hinaus die Erosionsgefahr im Winter ganz erheblich. Der geringe Pflanzenschutzmitteleinsatz ist ebenfalls positiv hervorzuheben. In Fruchtfolgen mit Mais wird die winterliche Brachezeit verkürzt. Dadurch können auf günstigen Standorten die Ressourcen Sonneneinstrahlung und Wasser effizienter genutzt werden.

Von Seiten des NABU wurde Kritik über die großräumige Ernte und die damit verbunden ökologischen Auswirkungen auf die Bodenbrüter geäußert. Zunächst möchten wir klarstellen, dass es sich hierbei um eine Zweikulturnutzung handelt und der Grünroggen von Landwirten aus der Region angebaut wird. Für diese ist der Grünroggen angesichts der desaströsen Gertreidepreise eine wichtige Alternative zur Sicherung ihrer landwirtschaftlichen Betriebe in unserer Region. An der Ernte waren ca. 25 landwirtschaftliche Betriebe und ca. 10 Lohnunternehmern aus der Südpfalz beteiligt.

Neben diesen ökonomischen Aspekten und deren Bedeutung für unsere Region, setzt sich die BioEnergie aber auch mit den ökologischen Auswirkungen auseinander, da diese unseren Lebensraum direkt beeinflussen.  

Bei der Zweikulturnutzung durch Anbau von Getreide als Ganzpflanzensilage (z.B. Grünroggen) erfolgt die erste Ernte zur Brut- und -aufzuchtzeit vieler Tierarten im Mai und Juni. Dies kann als Eingriff in das Agrarökosystem gesehen und dessen Auswirkungen auf die Bodenbrüter und andere Vogelarten durchaus kontrovers diskutiert werden. Neben der Intensivierung des Ackerbaus spielt aber auch die Strukturvielfalt in der Landschaft, insbesondere das Vorhandensein von Gehölzen und Streuobstwiesen eine entscheidende Rolle da die entsprechenden Vogelarten auf diese Elemente angewiesen sind.

Viele Arten können in der dichten, hohen Vegetation der Grünroggenkulturen nicht nach Nahrung suchen und sind deshalb auf Stellen mit niedrigerer, lockerer und artenreicher Vegetation angewiesen, also wiederum Brachen, Ackerrandstreifen, Fehlstellen in den Beständen (Stellen mit vermindertem Bewuchs) oder Grünstreifen. Insbesondere wegen der Lerche, die mit Ihrer zweiten Brut in den Beständen über 50 cm Wuchshöhe in allen Getreidekulturen Schwierigkeiten hat, regen wir die Anlage von sogenannten „Lerchenfenstern“ zur Brutunterstützung bei unseren Vetragslandwirten an, bei denen aber letzendlich auch die Entscheidung über solche Maßnahmen liegt.    

Andererseits bieten die zu diesem Zeitpunkt beernteten Felder ein wichtige Nahrungsquelle für andere Arten. Namhafte Vertreter, die sich um die Wiederansiedlung des Weißstorches in der Pfalz verdient gemacht haben, haben in der Vergangenheit immer wieder gefordert partiell Wiesen früher zu mähen, um dem Storch in der Aufzuchtphase seiner Jungen die natürliche Nahrungsaufnahme zu erleichtern. Auch bei der diesjährigen Grünroggenernte haben wir bis zu 30 Störche bei der Nahrungssuche auf einem abgeernteten Schlag gezählt.

Somit ist die pauschale Verurteilung der Grünroggenproduktion, unserer Meinung nach, nicht gerechtfertigt.

Die Ernte des Grünroggens wurde auch nicht auf einzelne Standorte beschränkt, sondern fand in vielen Gebieten rund um Lustadt statt. Die Landwirte in unserer Region produzieren neben dem Grünroggen auch andere Kulturen wie Mais oder Hirse, um den, auch in den Artikeln angesprochen, Monokulturen entgegenzuwirken. Zudem findet dieser Anbau nicht konzentriert um den Standort Lustadt statt, sondern ist auf Flächen in der gesamten Region Südpfalz verteilt. Letztendlich entscheidet der Vertragslandwirt der Biogasanlage über den Standort an dem er die Pflanzen für die Biogasproduktion anbaut.

Weiterhin kommen für die Biogasanlage Lustadt Fruchtfolgesysteme zu Einsatz, die der Überbeanspruchung von Naturräumen und dem Verlust der biologischen Vielfalt entgegenwirken.

Vielfach wurde der Transport insgesamt sowie die Erntetätigkeiten über die Pfingstfeiertage kritisiert.

Zunächst soll hier angemerkt werden, dass der Transport über die Feiertage allein auf die Wettersituation im Mai zurückzuführen ist. Die Ernte sollte zu diesem Zeitpunkt eigentlich längst abgeschlossen sein, was aber durch das nasse Wetter verhindert wurde. Allein der mögliche Totalverlust der vorgemähten Bestände hat zu den Erntetätigkeiten über Pfingsten geführt.

Während der gesamten Ernte wurde die Biogasanlage über verschiedene Strecken angefahren, um die Belastungen für die Anwohner an einer Fahrtstrecke möglichst gering zu halten. Mit der Sperrung der Zeiskamer Straße musste der Transport aus südlicher Richtung leider durch die Postgrabenstraße geführt werden. Der Silagetransport aus Ottersheim, Knittelsheim und dem südlichen Bellheim wurde trotz großer Umwege über das Industriegebiet in Offenbach und die B272 geführt.

Die eingesetzten Erntefahrzeuge sind landwirtschaftliche Schlepper-Muldenkipper-Gespanne wie sie auch im Rahmen anderer Ernten eingesetzt werden. Durch das relativ große Ladevolumen kann die Anzahl der Transporte reduziert werden. Die Geschwindigkeit der Fahrzeuge ist bauarttechnisch auf 40 km/h begrenzt.

Alle Transporteure sind Landwirte aus unserer Region, die sich mit dieser Arbeit ein wichtiges Zusatzeinkommen erwirtschaften. Auch in diesem Zusammenhang stabilisiert die Biogasanlage die landwirtschaftlichen Betriebe in unserer Region.

Zur  Biogasanlage Lustadt sei angemerkt, dass sie, wie in Leserbriefen angeklungen, nicht von einer  anonymen Gesellschaft betrieben wird, sondern eine Investition von Landwirten und landwirtschaftlichen Organisationen aus unserer Region ist. Die Anlage selbst wurde ohne öffentliche Subventionen gebaut. Wie jede EEG-Anlage (auch eine private Photovoltaikanlage) erhält die Biogasanlage Lustadt Vergütungen nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz.  

Den Betreibern der Biogasanlage Lustadt ist bewusst, dass die Erntetätigkeiten im Spannungsfeld zwischen Landwirten, Transporteuren und Anwohnern stehen. Wir werden die Diskussionen aufnehmen und mit den verschiedenen Verbänden und Kommunen in den Dialog treten.

Als wichtiges Element einer nachhaltigen Landwirtschaft ist der Anbau von Energiepflanzen auch ökonomisch für die Landwirte in unserer Region von besonderer Bedeutung.

Der Bau der Biogasanlage Lustadt war ein großer Schritt zur Entwicklung der regenerativen Energien in unserer Region. Mit dieser Stellungnahme möchte die Bioenergie Südpfalz KG den Bürgern unserer Region die Hintergründe der Grünroggenernte erläutern und die Fakten in Ihrer Gesamtheit darstellen.

Die Geschäftsführung der BioEnergie Südpfalz GmbH & Co. KG

 

Dipl.-Biol. Rüdiger Stenzel                                Markus Glaser M.A.